Tanzgeschichte: Jazz Dance

Black WomenWie letzte Woche schon berichtet, gibt es eine neue Kategorie: „Tanztheorie“, in der ich nach und nach verschiedene Tanzstile kurz vorstellen möchte. Ich beginne mit einem meiner Lieblings-Stile – dem Jazz Dance.

Herkunft

Jazz Dance hat seinen Ursprung in den Afrikanischen Tänzen. In der Zeit der Skalverei in Amerika brachten die afrikanischen Sklaven ihre eigene Kultur in Form von Liedern und Tänzen mit. Datiert ist das etwa auf das frühe 17. Jahrhundert. Zu Beginn blieben sie dabei unter sich, von den Weißen wurden die Tänze als fremd und barbarisch angesehen. Es dauerte etwa 2 Jahrhunderte bis sich das änderte. Etwa ab 1820 wurden schwarze Musik und Tänze vor einem weißen Publikum auf die Bühne gebracht. Die Darsteller waren jedoch keine Schwarzen, sondern Weiße, die sich die Gesichter schwarz malten – die so genannten Minstrels. Ihre Darbietungen waren unauthentisch, jedoch führten sie dazu, dass die schwarzen Tänze langsam anerkannt wurden. Heute sagt man auch, dass die Minstrels, deren Darbietungen bis etwa 1900 gezeigt wurden, die Grundsteine für den Tap Dance und den Jazz Dance gelegt haben.
1820 begann die Antisklavereibewegung, die 1865 die Freiheit aller Sklaven verkünden konnte.
Zeitgleich begann auch die Emanzipation der afroamerikanischen Kunst. Die ersten Schwarzen betraten neben den Minstrels die Bühnen und verbreiteten ihre Musik und Tänze. Besonders bekannt wurden der Cakewalk und der Ragtime, die sich zusammen mit der Jazz Musik von New York und Chicago aus verbreiteten.
1917 gilt als eins der bedeutendsten Jahre für die Jazz Musik und den Jazz Dance. In diesem Jahr spielte die weiße Original Dixieland Jazz Band zum ersten Mal in New York und sorgte für einen Durchbruch beim weißen Publikum. Zeitgleich publizierte der schwarze Komponist W. Benton Overstreet eine Tanzsuite unter dem Namen „Jazz Dance“, die vier unterschiedliche afroamerikanische Tänze enthielt.

Katherine Dunham
Katherine Dunham

Der große Durchbruch für den Jazz Dance als Bühnentanz brachte Katherine Dunham 1940, als sie ihr Stück „Tropics an Le Jazz Hot“ auf die Bühne brachte. Thematisch ging es um den Weg des Jazz Dance vom akrikanischen zum afro-amerikanischen Tanzstil. Es war das erste künstlerisch anerkannte Jazzballett. Zwei der bekanntesten Jazz Tänzer Archie Savage und Talley Beatty wurden durch dieses Stück bekannt. In diesen Jahren wurde der Jazz Dance immer bekannter und auch weiße Tänzer entdeckten ihn für sich.

Ab ca. 1960 verbreitete sich der Jazz Dance schließlich in der ganzen Welt. Es gab die ersten Jazz Dance Pädagogen, die ausschließlich diesen Stil unterrichteten, die ersten Bücher wurden veröffentlicht und der Tanz tauchte immer öfter in Filmen auf. Spätestens durch den Film „West Side Story“ von 1961 wurde er dann sehr bekannt. Ein neuer Trend der „Jazzgymnastik“ hielt schließlich in Westeuropa und Skandinavien einzug.

Seitdem hat sich in den Tanzstudios und auf den Bühnen viel getan. Jazz Dance ist längst ein fester Bestandteil in der Tanzwelt geworden und zält für viele, ähnlich wie das Ballett, zum Standart.

In dem nächsten Teil der Serie erzähle ich euch ein bisschen über den Jazz Dance – so wie er heute ist.

Jazz Dance aus den 1920er-Jahren:

Eine Tänzerin tanzt den Jitterbug, 1940er-Jahre:

Der Mambo aus dem Film West Side Story, 1960er-Jahre:

Quelle: Helmut Günther – „Jazz Dance“, Henschel Verlag

Fotos:

Pinterest https://www.pinterest.com/pin/490048003177132881/
„Katherine Dunham“ von Phyllis Twachtman, World Telegram staff photographer – Library of Congress. New York World-Telegram & Sun Collection. http://hdl.loc.gov/loc.pnp/ppmsca.05791. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Katherine_Dunham.jpg#/media/File:Katherine_Dunham.jpg

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