Tanzen im Jahr 2020 – Teil I

Eine seltsame Überschrift und doch passend, denn in 2020 ist alles anders… Ich habe bewusst auf negative Formulierungen wie „Tanzen in der Krise“ verzichtet, da ich diese jeden Tag schon genug lese und höre.

Wir sind im Jahr 2020, in dem unsere Welt durchgeschüttelt wurde, Pläne über den Haufen geworfen sind und wir uns neu ordnen müssen. Alle Künstler und Tänzer sind davon schwer getroffen. Doch wir machen weiter mit unserer Arbeit. Ich habe einige Kolleginnen und Kollegen gefragt, wie es ihnen mit den neuen Herausforderungen geht und die Antworten werde ich nach und nach veröffentlichen.

Ich habe in einem vorherigen Text schon über meine Gedanken geschrieben, als wir gerade mittendrin waren. Das ist jetzt einige Zeit her und Vieles hat sich getan. Mein Tanzstudio konnte wieder öffnen. Die Auflagen in NRW sind erträglich – wir müssen auf Hygiene achten und 1,5m Abstand einhalten (kurz gesagt). Dadurch können weniger Personen pro Kurs tanzen und die großen Kurse musste ich aufteilen. Auch die Stunden sind etwas anders aufgebaut, da jetzt nun an seinem Platz bleibt.

Tanzen macht Glücklich

Direkt in den ersten Stunden habe ich gesehen, wieviel Glück das Tanzen verbreiten kann. Die Kursteilnehmer*innen konnten sich nach der Stunde nicht voneinander trennen und saßen noch lange in ihren jeweiligen Quadraten um zu reden. Zu lange haben wir den menschlichen Austausch reduziert, da muss Einiges nachgeholt werden. Das Gleiche auch bei den Kindern – der Redebedarf ist hoch und es ist ok, dem derzeit mehr nachzugeben als sonst.

Diese Zeit ist ein Zeichen für mich wie heilsam das Tanzen ist. Im Studio rücken Nachrichten und Politik in den Hintergrund. Wir beschäftigen uns mit uns selbst, gehen in den Körper, arbeiten, schwitzen und lachen.

Licht und Schatten

So viel Hoffnung und Liebe mir diese Zeit gibt, natürlich sind da auch einige Schattenseiten, die ich nicht verschweigen möchte. 2020 ist finanziell eine Herausforderung. Die Teilnehmerbeiträge blieben zeitweise aus, die Kosten liefen weiter. Einiges konnte durch die Soforthilfe abgefangen werden. Jedoch gibt es auch langwierige Auswirkungen, da es die üblichen Kündigungen zum Quartal gibt, jedoch die Neukundengewinnung schwieriger wird. Im Moment gebe ich viel Energie in Werbung.

Auch der Sommer ist stressiger als sonst, denn viele Stunden müssen noch nachgeholt werden. Aber das ist ein Teil der Arbeit, der viel Spaß macht. 🙂

Auch außerhalb der Tanzschule merke ich deutlich, dass einige Jobs weggefallen sind. Mir fehlen meine Workshops außerhalb und die Veranstaltungen und Festivals, bei denen ich mitwirke. Hier sitzen alle aus der Kulturbranche im Gleichen Boot. Ich bin froh, dass der Bereich „nur“ mein Nebenverdienst ist.

Aber ich lasse den Kopf nicht hängen. So muss dieses Jahr etwas sparsamer verlaufen – weite Reisen sind ja eh erstmal gestrichen. Ich konzentriere mich auf die guten Seiten – die Tänzer*innen, der Spaß, die Entschleunigung und die neuen Perspektiven.

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Comments

  1. Danke für deine Sichtweise! Ja, es ist wirklich eine große Herausforderung, dieses Jahr, vor allem für die Kulturbranche und uns Tänzerinnen. Da ich gerade schwanger bin, hatte ich sowieso schon etwas an Auftritten und Reisen heruntergefahren. Meine Schülerinnen haben mich zum Glück unterstützt und ich habe nicht nur den Unterricht online gestellt, sondern auch ein neues Online Programm „Dein Weg zu deiner inneren Tänzerin“ erstellt und durchgeführt.
    Trotz allem ersetzt das nicht den persönlichen Kontakt im Tanzstudio. Schön, dass ihr wieder so guten Kontakt habt!!
    Alles Liebe,
    Daya

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